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Böhmerwald

Der Böhmerwald, tschechisch Šumava, ist eine etwa 120 km lange Bergkette entlang der deutsch-tschechisch-österreichischen Grenze. Obwohl es sich beim Böhmerwald geologisch gesehen um ein einziges Gebirge handelt, wird er seit Beginn des 20. Jahrhunderts nach den politischen Grenzen unterteilt. Je nach regionaler Lage oder Kontext werden mit dem Ausdruck „Böhmerwald“ das ganze Gebirge oder nur Teile davon bezeichnet: Böhmerwald (Šumava, die Rauschende bzw. von altslawisch für Wald) auf tschechischer Seite; Bayerischer Wald im östlichen Bayern; Böhmerwald im nordwestlichen Mühlviertel Oberösterreichs. Der Große Arber auf bayerischer Seite ist mit seinen 1.456 Metern der höchste Punkt des Mittelgebirges. In Tschechien und Österreich ist der auf der Grenze liegende Plöckenstein/Plechý mit 1.378 m der höchste Berg.

Seinen ersten deutschen Namen "Nordwald" hat das Waldgebirge von der bairischen Seite aus erhalten: Als Wald im Norden des Herzogtums Baiern. Frühe Erwähnungen finden sich in Urkunden von Ludwig dem Deutschen 853 und Heinrich II. im Jahr 1010. In letzterer vermacht der Kaiser dem Kloster Niedernburg in Passau einen Teil des Nordwaldes. Später setzte sich die Bezeichnung "Böhmerwald" für das ganze Waldgebiet "gegen Böhmen" durch.

Im Zuge des Landes- und Städteausbaus vom 12. bis zum 14. Jahrhundert wurden besonders die waldreichen Randgebiete Böhmens gerodet und besiedelt. Im Böhmerwald waren daran vor allem deutschsprachige Siedler aus den angrenzenden bairischen Gebieten beteiligt. Seit dieser Zeit galt Böhmen als zweisprachiges Land. Wichtig für die Erschließung des Böhmerwalds waren die Verbindungswege zwischen Bayern und Böhmen, wie z.B. der Handelsweg "Goldener Steig". Im Laufe der Jahrhunderte drangen neue Siedlungen immer weiter in den Urwald vor. Besonders viele Dörfer gehen auf Glashüttenstandorte des 18. Jahrhunderts zurück. 1938 wurden die vorwiegend deutschsprachigen Gebiete der Tschechoslowakei an das Deutsche Reich angegliedert. Die dadurch zunehmende Bedrohung von NS-Gegnern, Juden und Tschechen führte zu einer Fluchtwelle aus diesen Gebieten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden durch die Vertreibung der meisten deutschsprachigen Bewohner (Benesch-Dekrete) viele der kleineren Siedlungen entvölkert. Heute sind davon oft nur so genannte "Wüstungen" übrig geblieben.

In der Literatur erscheint der Böhmerwald in den Erzählungen von Adalbert Stifter, Karel Klostermann, Hans Watzlik, Karl May und Johannes Urzidil. Der Böhmerwald ist auch der Schauplatz von Carl Maria von Webers Oper Der Freischütz.
Große Teile wurden zum Nationalpark Šumava und Nationalpark Bayerischer Wald erklärt.